Nach dem Treffen mit MdB Ströbele: Edward Snowdens Brief an Deutschland

Moskau ist für deutsche Politiker ein noch interessanter Ort geworden, seit Edgar Snowden dort Asyl erhalten hat. Vorgestern besuchte der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Bündnis90/Grüne) den US-amerikanischen Whistleblower in der russischen Hauptstadt und führte ein mehrstündiges Gespräch mit ihm. Hintergrund sind die vielen Fragen, die man in Deutschland – und auch anderswo – an den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter hat. Snowden sorgt seit Monaten mit Enthüllungen zu Überwachungspraktiken des US-Nachrichtendienstes NSA für Aufsehen. Bundestagsabgeordnete fordern die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses, der sich mit den Bespitzelungsvorwürfen befasst. In jüngster Zeit war bekannt geworden, dass der NSA seit über zehn Jahre lang das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel überwacht hatte.

Nun gibt es Überlegungen, wie Snowden gegebenenfalls Mitgliedern eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses Rede und Antwort stehen könnte. Hindernisse sind sein Aufenthaltsstatus in Russland und ein Auslieferungsabkommen der Bundesrepublik Deutschland mit den USA. Letzteres verpflichtet Deutschland, in den USA per Haftbefehl gesuchte Tatverdächtige festzunehmen und in die Vereinigten Staaten zu überstellen. Die USA möchte Snowden wegen Geheimnisverrats den Prozess machen. Dagegen gibt der Beschuldigte an, dass gerade sein früherer Arbeitgeber vielfach geltendes Recht geborchen zu haben, als man international Telefonate abhörte und millionenfach Daten im Internetverkehr herausfilterte.

Edgar Snowden gab Hans-Christian Ströbele einen Brief an die deutsche Öffentlichkeit mit, der hier im englischen Original nachzulesen ist.

Die deutsche Übersetzung, wie sie das Büro des Bundestagsabgeordneten Ströbele verlautbarte, ist insgesamt in Ordnung, aber in einigen Punkten nicht völlig akkurat: Die Anrede „to whom it may concern“ könnte man auch mit „An alle, die es angeht“ oder „…die es interessiert“ widergeben. „Campign of persecution“ wird offiziell mit „Hetze“ übersetzt – „Kampagne der Verfolgung“ wäre zutreffender